TOTENTANZ

Kammeroper von Kenneth Winkler . Text nach der gleichnamigen Tragödie von Franz Kranewitter . Einrichtung von Johannes Reitmeier . Uraufführung

 

KAMMERSPIELE IN DER MESSE

PREMIERE 18.02.2017

MUSIKTHEATER

 

Musikalische Leitung Hansjörg Sofka

Regie Alexander Kratzer

Bühne & Kostüme Gera Graf

 

Im Hochmittelalter entwickelte sich im christlichen Raum eine starke Hinwendung zur Mystik im Alltag, u. a. das „memento mori“ (lat.: Gedenke des Todes!): Hierbei wurde an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnert, mit der Schlussfolgerung, es sei im Leben am wichtigsten, sich auf den Tod und auf das darauf folgende Letzte Gericht vorzubereiten, um so das eigene Seelenheil zu gewährleisten. Dieses memento mori wurde nicht nur in Sinnsprüche und Sprichworte gepackt, sondern auch künstlerisch gestaltet, z. B. als Totentanz oder als christliches Schauspiel. Lange führte diese spezielle Kunstform ein Schattendasein, doch mit den Erfahrungen der beiden Weltkriege erlebte sie eine kleine Renaissance, und neben dem wohl bekanntesten Werk dieser Neuentdeckung, Hugo von Hoffmannsthals Jedermann, ist unbedingt Franz Kranewitters Einakter Totentanz zu nennen.

Die Kammeroper folgt ganz der Vorlage Kranewitters: In einem Bergdorf hat die Pest nach und nach alle Bewohner dahingerafft. Einzig der Totengräber und seine Frau haben überlebt, die einst Ausgestoßenen fühlen sich nun als Herrscher der Welt. Doch der Tod wartet auch auf sie, da mögen sie noch so sehr bitten und betteln. – Eine Besonderheit des Kranewitterschen Dramas ist, dass der Tod in zweierlei Gestalt erscheint: als Tod und Todin. Damit greift Kranewitter einen alten Mythos aus dem Bayerischen Wald auf, dort hatte der Tod zu Zeiten der großen Pest ein Weib als Helferin: Der Tod hat gemäht, und die Todin hat zusammengerecht. Was durch den Rechen gefallen ist, ist am Leben geblieben. Bei Kranewitter stehen nun Tod und Todin auf einer Stufe, und beide sind gleich unerbittlich.

In der Kammeroper sind Kranewitters Text Gedichte von Andreas Gryphius und Paul Gerhardt an die Seite gestellt. In ihnen manifestiert sich die Ohnmacht des Menschen ob des großen Schreckens ebenso wie der unerschütterliche Glaube an Gott und die Hoffnung, dass allem ein tiefer liegender Sinn innewohnt. Die Komposition verwebt elektronische Einspielungen mit den Klängen eines ungewöhnlich besetzten Kammerorchesters.

 

PRESSESTIMMEN

Winkler ergreift stilistisch vielseitig zugreifend die Chance und schafft mit seinen fantasiereichen Computersounds immer neue, sich differenzierende Klang- und Farbräume. […] Dabei hat Winkler mit Mitgliedern des Tiroler Ensembles für Neue Musik auch Live-Instrumente (Viola, Violoncello, Trompete, Posaune, Klavier), die er sinngemäß einsetzt. […] Gera Graf, für Bühne und Kostüme zuständig, und Regisseur Alexander Kratzer setzen diesen „Totentanz“ in ätherischer bis wilder Symbolik gekonnt und wissend um die rinnende Sanduhr zwischen Memento mori und irdischer Vergeblichkeit als musikalisches Mysteriumtheater um. (Tiroler Tageszeitung)

 

Das hervorragende Sängerensemble trägt ganz wesentlich zum Erfolg der Produktion bei. Susanna von der Burg und Dale Albright begeistern als schauspielerisch und stimmlich sehr brillantes Totengräberpaar, Florian Stern und insbesondere Susanne Langbein als kaltblütiges Tod-Paar und Camilla Lehmeier und Joshua Lindsay als geisterhafte „Stimmen“. (Krone)

 

ER: SAH SIE SCHAUFELN UND GRABEN.

HABEN DEN LETZTEN BEGRABEN.

SIE: WERDEN JETZT SCHMAUSEN UND TRINKEN,

IN DUMPFE TIERHEIT VERSINKEN

UND ZULETZT SICH ZERKRIEGEN.

 

PREISGRUPPE KD