DER GOLDENE DRACHE

Schauspiel von Roland Schimmelpfennig

 

KAMMERSPIELE IN DER MESSE

PREMIERE 21.04.2017

SCHAUSPIEL

 

Regie Elisabeth Gabriel

Bühne & Kostüme Vinzenz Gertler

 

Eine Stewardess, die nach einem anstrengenden Flug nach Hause kommt. Ein alter Mann, der von seiner Enkelin besucht wird. Ein Paar, Mitte dreißig, das in einer Krise steckt. Ein junges Paar, das feststellt, dass ein Kind unterwegs ist. Ein chinesischer Hilfskoch, illegal eingereist und eigentlich auf der Suche nach seiner Schwester, der Zahnschmerzen bekommt. Ein Kioskbesitzer, der sich ein Mädchen nimmt. Und die Fabel von der Ameise und der Grille, in der die Ameise Vorräte für den Winter sammelt, während die Grille sorgenfrei in den Tag hineinlebt. All das – und noch mehr – steckt in Roland Schimmelpfennigs Schauspiel. Letztlich alles Geschichten in einem Mietshaus, doch weit entfernt von simplem Realismus, was der Autor noch dadurch verstärkt, dass die insgesamt 17 Rollen auf fünf DarstellerInnen verteilt werden – und zwar unabhängig davon, ob das Geschlecht und das Alter vordergründig passen. So entsteht ein kleiner Kosmos an Geschichten und Begegnungen, die sowohl von der großen Welt und den Gefahren der Globalisierung erzählen, von Einwanderern und Einheimischen, wie auch vom privaten Glück und Unglück. In einem Interview äußerte sich der Autor einmal über sein Stück wie folgt: „Mir ging es nie um Dokumentation. Das können Film und Fernsehen besser. Mir ging es um Verdichtung. Der Drache arbeitet mit den einfachen Mitteln der Ansage und der Verstellung und des ‚Vorspielens‘, aber das Ziel des Stücks ist nicht Distanz, sondern das Gegenteil: Nähe. Identifikation. Es geht darum zu ermöglichen, dass das Publikum den Figuren so nah wie nur irgend möglich kommt. Was wäre, wenn ich jemand anderes sein könnte? Was ist, wenn ich nicht mehr sein will, was ich bin? Wenn ich mir etwas wünschen könnte – das steht über dem ganzen Stück." Die künstlerische Leitung übernehmen Elisabeth Gabriel (Regie) und Vinzenz Gertler (Ausstattung), die als Team am TLT bereits zwei zeitgenössische Werke von Händl Klaus auf die Bühne brachten.

 

PRESSESTIMMEN

 

Das beengte Küchenuniversum ist nur einer von vielen Schauplätzen in Roland Schimmelpfennigs fabelhaftem Short-Cut-Drama, das am Freitag in den Kammerspielen in der Messe Premiere hatte. Eine Premiere im doppelten Sinn: Denn der meistgespielte Gegenwartsdramatiker Deutschlands wurde bislang leider noch nie am Tiroler Landestheater gezeigt. In der exakt durchkomponierten Regie von Elisabeth Gabriel wird der erste Innsbrucker Schimmelpfennig nun zum Theater-Erlebnis, das nachhallt. […] Extragut (um im Küchenjargon zu bleiben) ist die schauspielerische Leistung des Ensembles, das mit unaufdringlichen und doch starken Gesten von einem Charakter in den nächsten switcht.
(Tiroler Tageszeitung)

 

Elisabeth Gabriel, die in der Aufführung an den Innsbrucker Kammerspielen Regie führt, beweist eine gute Hand für das, was Schimmelpfennigs Stück erfolgreich macht. Auf der Bühne geht es rasant zur Sache, Sound und Licht konturieren die Cuts geschickt. […] Das Premierenpublikum quittierte Menü und Service mit lang anhaltendem Applaus.
(Der Standard)

 

ROLAND SCHIMMELPFENNIG:

WAS WÄRE, WENN ICH JEMAND ANDERES SEIN KÖNNTE;

WAS IST, WENN ICH NICHT MEHR SEIN WILL, WAS ICH BIN?

WENN ICH MIR ETWAS WÜNSCHEN KÖNNTE DAS STEHT ÜBER DEM GANZEN STÜCK.

 

PREISGRUPPE KD